Posttraumatische Belastungsstörung (PTBST)

Von Traumatisierung spricht man, wenn Lebensereignisse derart belastend sind, dass sie nicht „verarbeitet“ werden können, d.h., dass die betreffende Person nicht in der Lage ist, diese Erfahrung in das Bild der eigenen Person und des eigenen Weltbildes einzufügen.
Der Begriff „Posttraumatische Belastungsstörung“ (in der Folge PTBST) wurde in den Siebzigerjahren geprägt, als die amerikanische Welt mit den schwerwiegenden psychischen Symptomen der Vietnamveteranen konfrontiert wurde.

Ursachen der PTBST:

Folter- und Kriegserfahrungen, Naturkatastrophen, körperliche Gewalterfahrungen, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, anhaltende emotionale Vernachlässigung, Krankenhausaufenthalte (insbesondere Operationserlebnisse) in der Kindheit, Zeuge einer Gewalterfahrung (z.B. Rettungs-, oder Feuerwehrpersonal).

Symptome:

  1. Sich aufdrängende Erinnerungen an das belastende Ereignis („Flashbacks“), Alpträume. Auslöser dafür sind oft „ähnliche“ Eindrücke wie laute Stimmen, dunkle Räume, Bilder im Fernsehen, z.B. von Katastrophen, Krieg,.. Gerüche)

  2. Vermeidung von solchen „Auslösern“, was ja nachvollziehbar ist, aber manchmal nicht gelingt. Die Person versucht dann erfolglos, sich abzulenken.

  3. Übererregbarkeit, „Hyperarousal“, welche sich z.B. in Schreckhaftigkeit, Aggressionsausbrüchen, Unruhe, Schlafstörungen, vegetativen Erregungszuständen wie Herzrasen, Magen-Darm-Störungen, Schweißausbrüchen, Beklemmungen usw. äußern kann. Diese Symptome werden als unerklärlich und belastend erlebt.

Bei sexuellem Missbrauch entwickeln sich im Opfer meistens extrem starke Schuldgefühle, die vom Täter selbst bzw. den erwachsenen Mitwissern dem Kind zugeschrieben werden (explizit oder implizit). So ist das Selbstbild später oft stark verzerrt, was zu Essstörungen, Selbstverletzungen, absichtlichem Gefährden der eigenen Person etc. führen kann.
Familienmitglieder, die ein Verbrechen dulden, verstärken dadurch die Schuldzuweisungen und werden so zu Mittätern. So entsteht im Opfer die Überzeugung, selbst schuld zu sein, das Verbrechen selbst provoziert zu haben, sich nicht ausreichend gewehrt zu haben etc. Gegenüber psychischen Reaktionen und Symptomen wird erwartet, „sich nur zusammenreißen zu müssen“.
Ehemalige Holocaustopfer berichteten, dass sie während Ihrer Gefangenschaft irgendwann zu der Überzeugung gelangt waren, „das alles irgendwie verdient zu haben“, dass „Juden einfach schlechte Menschen sind“. Dieses Phänomen nennt man Identifikation mit dem Angreifer, was als psychische Überlebensstrategie verstanden werden kann, da der Täter gleichzeitig der einzige Mensch ist, von dem auch die Rettung kommen könnte. Der Großindustrielle Jan Phillip Reemtsma, der von seinen Entführern in einem Keller festgehalten worden ist, beschreibt in seinem Buch „Im Keller“ diese Entwicklung bei ihm selbst.

Hilfe:

  1. Information über die belastenden Symptome, die eine normale Reaktion auf eine abnormale Situation sind.

  2. Scham- und Schuldgefühle erkennen und revidieren

  3. Kontrolle erlernen und behalten: durch Achtsamkeitsübungen

  4. Ressourcen (Selbstheilungskräfte) aktivieren (Sicherheit, Schutz, Abgrenzung, Selbsttröstung, gesunde Aggression,...)


In der PITT (Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie) nach Dr. Luise Reddemann wird nach einem Drei-Phasen-Modell gearbeitet:

  1. Stabilisierungsphase: in welcher das wesentliche Ziel die Fähigkeit zur Selbstberuhigung und Selbsttröstung ist. Achtsamkeitsübungen zur Erlangung von Kontrolle, sowie die Nutzung der in jedem von uns vorhanden Fähigkeit zur Imagination(Bildhaften Vorstellung), sowie verhaltenstherapeutische Methoden und Erkenntnisse der modernen Hirnforschung fließen hier zusammen.

  2. Traumabegegnung: Unter Nutzung der in der ersten Phase erarbeiteten und gefestigten Fähigkeiten erfährt die Klientin/der Klient unter Begleitung der Therapeutin die traumatische Szene noch einmal, und zwar so, dass es zu einer Integration von Bild, Gefühl, Körpererleben und Kognition (Gedanken über das Ereignis) kommt, wobei die Erfahrung nur „minimal“ sein sollt, sodass eine Retraumatisierung verhindert wird. Dadurch kann das vorher „abgekapselte“, „wie selbständig ablaufende“ Teilerleben von aus dem Zusammenhang gelösten Erfahrungen (Gerüche, Bilder, Körperwahrnehmungen,...) in die Gesamtpersönlichkeit integriert werden und so in einen Sinnzusammenhang gebracht werden. Dadurch verliert es seine Bedrohlichkeit und kann als ein Ereignis, das „vorbei“ ist, zur Erinnerung werden.

  3. Integration, Trauern und Neuorientierung, ähnlich wie nach allen Verlusterlebnissen.










Illustration: 
Dr. Veronika Oepen-Duré






Klientenzeichnung

Dr. Carina MAYER-KAUTEN
Psychotherapeutin und Lehrtherapeutin für KIP
(Katathym Imaginative Psychotherapie)

Ärztin für Allgemeinmedizin
Ärztin für Psychosomatische und
Psychotherapeutische Medizin

Radetzkystraße 24, 9020 Klagenfurt











Dr. Carina MAYER-KAUTEN

Psychotherapeutin und Lehrtherapeutin für KIP
(Katathym Imaginative Psychotherapie)