Depression

Der Begriff Depression ist fast ein Modewort geworden. Es ist in aller Munde. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) stellt fest, dass die Depression in wenigen Jahren die häufigste Erkrankung in der westlichen Welt sein wird und damit die Herzkreislauferkrankungen „überholen“ wird.

Was ist eigentlich eine Depression wirklich?
Wie unterscheidet sie sich von der normalen, physiologischen Trauer?

Das Wort Depression bedeutet ursprünglich Bedrückung. Von der Trauer unterscheidet sie sich insofern, als dass das Gefühl von Traurigkeit fehlt, eher ein Gefühl der Leere vorherrscht, Missmut, Gereiztheit. Hinzu kommt eine Neigung zu Selbstvorwürfen und die Überzeugung, nicht zu genügen, ebenso wie ängstliches Anklammerungsverhalten, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit verbunden mit Gewichtsverlust, andere vegetative Erscheinungen (Kopfschmerzen, Magen-Darmstörungen, Kloßgefühl, Beklemmungen hinter dem Brustbein,...) und schließlich auch Selbstmordgedanken.
Bei einer normalen Trauerreaktion dienen Aktivitätsminderung, Rückzug von der Welt und eine gewisse Hemmung dem Schutz vor äußeren Reizen, einer Kräfteersparnis, einer Erholung und einer Reorganisation, was S. Freud auch „Trauerarbeit“ genannt hat.
In der Depression kommt es aber nun zu einer extremen Ich-Hemmung, die sich in Form von Gefühllosigkeit, Antriebsarmut, Erschöpfung zeigt und die kein Schutz mehr ist, sondern – ganz im Gegenteil – zu einer weiteren Herabsetzung der Selbstachtung führt, wodurch schon ersichtlich ist dass sich ein Teufelskreis entwickelt.
Ebenso spielt bei der Depression die Aggression eine große Rolle, und zwar die Autoaggression, d.h. die Wendung der Aggression gegen sich selbst. Auch in der normalen Trauerreaktion spielen aggressive Gefühle eine Rolle, welchen in gewissen Kulturen heute noch Raum gegeben wird (Klageweiber, Haare raufen, Kleider zerreißen,...)
Wie gesagt, in der Depression erfolgt die Abfuhr der Aggression nicht mehr nach außen, sonder nach innen, in Form von Selbstvorwürfen bis hin zum Selbstmord.

Auslöser:
Sind häufig tatsächliche oder symbolische Verluste und/oder eine starke Kränkung des Selbstwertgefühls.

Die Ursache:
für eine dann folgende depressive Reaktion liegt in der Lebensgeschichte: der Betroffene hat als kleines Kind große Angst gehabt, die Liebe der Eltern zu verlieren, und musste sich deshalb streng nach deren Geboten und Verboten richten, um geliebt zu werden, und sich selbst große Leistungen abverlangen, um das eventuelle oder tatsächliche Liebesdefizit auszugleichen.(Beides ist erforderlich für die Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls).
Ohne Schuldzuweisungen zu erteilen ist diese Tatsache zu akzeptieren und man kann sich fragen, warum Depressionen heute so häufig sind und was Eltern brauchen (und nicht ausreichend gehabt haben), um ihren Kindern die Sicherheit zu geben, dass sie in jedem Fall und unter allen Umständen liebenswert sind. Die beiden Weltkriege der Vergangenheit mit ihren enormen Entbehrungen und Schrecken dürften in der europäischen Kultur eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.
Zur Suizidalität möchte ich noch erwähnen, dass es sich hierbei nicht notwendigerweise nur um die Wendung aggressiver Gefühle gegen sich selbst handelt, sondern vielfach auch um einen phantasierten Rückzug in den Ruhezustand, in eine Vereinigung mit dem All.
Natürlich ist die Selbsttötung nicht die Lösung und es gilt in der Therapie auch zu schauen, ob die Krise nicht auch als Gelegenheit gesehen werden kann, sich auszuruhen, und das ersehnte Aufgehobensein im Universum nicht im Naturerleben oder in spirituellem Erleben gefunden werden kann.

Hilfe:
Es gilt in der Therapie, die Selbstliebe und die Selbstachtung zu fördern. Der große Vorteil ist ja, dass wir keine kleinen Kinder mehr sind, sondern Erwachsene mit entsprechender Lebenserfahrung und Ressourcen. Also kümmern sich die Therapeutin und der Erwachsene Ich-Anteil der Klientin um den leidenden kindlichen Anteil (siehe auch zum

Konzept der Inneren-Kind-Arbeit).

Schon in der Tatsache der Kontaktaufnahme zu einem Psychotherapeuten liegt zumindest ein Fünkchen Hoffnung! Daraus lassen sich Zielvorstellungen erarbeiten.
Oft ist zunächst eine Stärkung des Erwachsenen Ichs nötig. Dies geling dadurch, dass

  1. Positive Erlebnismöglichkeiten gezielt aufgesucht werden: Natur, Musik, Körperpflege, körperliche Betätigung, Spiritualität, positive Kontakte,... also z.B. sich an frühere Hobbys erinnern und schauen, welche davon eventuell wieder aufgegriffen werden können
  2. Kognitiv: „Was kann ich gut?“(auch selbstverständliche Alltagsfertigkeiten!) „Was hat mir geholfen/gut getan?“, “Wie habe ich all das Schwere bisher überlebt?“ Da muss es ja Fähigkeiten geben!
  3. Imaginativ = Arbeit mit bildhaften Vorstellungen wie Sicherer Ort, Hilfreiche Gestalten, Wehrhafte Gestalten, Grenze, Schutzmantel,...)

Dieses gestärkte Ich kümmert sich nun um das verzagt Ich und gibt ihm, was es damals gebraucht hätte und heute noch braucht: Akzeptanz und Mitgefühl (=“Aushalten“), Trost, Ermunterung und Erlaubnis zu negativen Gefühlen wie Trauer und Wut.
Wir können nicht alles kriegen, was wir brauchen, aber wenn jemand da ist, der den Schmerz versteht und aushält, kann Heilung geschehen.
Durch Achtsamkeitsübungen kann eine differenziertere und bewusstere Selbstwahrnehmung erlernt werden, wodurch eine gelungenere Unterscheidung bei der Frage: “Was tut mir gut? Was schadet mir?" erreicht werden kann. So entsteht dann eine Entscheidungsmöglichkeit, was zu einer bewussteren Gestaltung des eigenen Lebens führt. Sehnsüchte und Wünsche können erkannt und auf eine realistische Weise umgesetzt werden. Ebenso wird eine notwendige Abgrenzung von schädlichen Anforderungen möglich, konkret: „Nein“-Sagen wird als zufriedenstellende und energiebringende Lebensmöglichkeit erfahren und genützt.







Klientenzeichnung






Illustration: 
Dr. Veronika Oepen-Duré






Dr. Carina MAYER-KAUTEN
Psychotherapeutin und Lehrtherapeutin für KIP
(Katathym Imaginative Psychotherapie)

Ärztin für Allgemeinmedizin
Ärztin für Psychosomatische und
Psychotherapeutische Medizin

Radetzkystraße 24, 9020 Klagenfurt











Dr. Carina MAYER-KAUTEN

Psychotherapeutin und Lehrtherapeutin für KIP
(Katathym Imaginative Psychotherapie)